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Die Geschichte des Sportverein Mörtelstein

Von Achim Haag

 

Während sich die Freunde des Pingpong-Balles in den Jahren 1946/1947 zum Tischtennisclub Mörtelstein zusammenschlossen, wollten die Fußballbegeisterten dem nicht nachstehen und hatten Ende der 1950er Jahre die Idee, einen Fußballverein ins Leben zu rufen, um an den organisierten Verbandsrundenwettkämpfen teilzunehmen.

Doch dem stand ein Hindernis entgegen: Es fehlte ein Sportplatz! Deshalb nahm der Mörtelsteiner Fußballinteressenkreis Gespräche mit der damaligen eigenständigen Gemeinde Mörtelstein auf. Da Mörtelstein selbst durch die Hanglage keine geeignete Fläche für einen Sportplatzbau hatte, vereinbarten die damaligen Bürgermeister Ludwig Senk (Mörtelstein) und sein Amtskollege Ernst Ertl (Obrigheim), dass die Gemeinde Obrigheim kostenlos den Mörtelsteinern eine Wiese (Allmendgelände) direkt am Neckar zur Verfügung stellt. So waren die Voraussetzungen geschaffen, offiziell einen Sportverein zu gründen.

Am 30. Juli 1960 fand im Gasthaus "Zur Linde", die von der Familie Senk geführt wurde, die Gründungsversammlung des Sportvereins Mörtelstein statt. Die Mitgliederversammlung wählte Emil Fay zum 1. Vorstand, der bis 1971 die Geschicke des Vereins leitete. 2. Vorsitzender wurde der damalige Bürgermeister Ludwig Senk. Ebenfalls ein Mann der ersten Stunde war und ist Gerhard Reinmuth, der von der Gründung des Vereins bis 2009 das Amt des Schriftführers begleitete.

 

 

Von Seiten der Bevölkerung wurde dem neu gegründeten Verein ein großes Interesse entgegengebracht. Von der Gründung Mitte 1960 bis Ende desselben Jahres zählte der Verein 90 Mitglieder. Mörtel-stein hatte damals ca. 400 Einwohner und so war fast jeder vierte/jede vierte Mörtelsteiner/in bereits im Gründungsjahr SVM-Mitglied.

Entsprechend den Interessen der Gründer war der SV Mörtelstein damals ein reiner Fußballverein. Erstmalig in der Saison 1961/1962 nahm der SV Mörtelstein an einer offiziellen Verbandsrunde in der B-Liga des Fußballkreises Mosbach teil und prompt belegte die Mannschaft den letzten Platz von zwölf Mannschaften. Bis zur Fertigstellung des Mörtelsteiner Fußballplatzes auf der Gemarkung Obrigheim spielte der SVM auf dem Binauer Sportplatz, der sich damals noch direkt am Neckar befand. Mit dem Fährkahn wurde die ganze Mannschaft über den Neckar gebracht. Die Gemeinde Binau stellte den Mörtelsteinern ihren Platz kostenlos zur Verfügung.

Im Jahre 1963 war es dann endlich soweit. Das „Neckarstadion", wie der Mörtelsteiner Sportplatz heute liebevoll genannt wird, war fertig gestellt. Die offizielle Einweihung nahmen der Mörtelsteiner Bürgermeister Ludwig Senk und sein Obrigheimer Kollege Ernst Ertl vor. Zum Eröffnungsspiel wurde die Mannschaft des SV Michelbach eingeladen. Das Spiel gewannen die Michelbacher Fußballer mit 4:2. Zur Vereinsgaststätte wurde die "Linde" auserkoren. Nach den Spielen kehrte die ganze Mannschaft dort ein und auch die Mitgliederversammlungen fanden dort statt.


Bürgermeister Ludwig Senk, SV Mörtelstein, SV Michelstadt

 Bürgermeister Ludwig Senk, SV Mörtelstein, SV Michelstadt

Das Foto zeigt die damalige Fußballmannschaft des SV Mörtelstein:

Stehend von links Heinrich Reinmuth, Michael Parzen, Erich Braun, Heinz Wilhelm, Reinhold Pfleger, Heinrich Reichel, Ewald Göhrig, Schriftführer Gerhard Reinmuth - vorne von links Josef Steinemann, Erich Laible, Willi Pieper, Dietmar Senk, Heiner Schiel.

Die Fußballpartie SV Mörtelstein gegen den SV Michelbach anlässlich der Sportplatzeinweihung zog zahlreiche Zuschauer an. Das Spiel endete 2:4 für Michelbach.

 

Neben der Sportplatzeinweihung im Jahre 1963 fand in diesem Jahr ein weiteres wichtiges Ereignis statt. Am 22. November 1963 fusionierten der Tischtennisclub Mörtelstein mit dem Sportverein Mörtelstein. Die Vereinsfunktionäre einigten sich auf den gemeinsamen Namen "SV Mörtelstein 1960 e.V." mit den beiden Sparten Fußball und Tischtennis. Im Jahre 1977 gesellte sich eine dritte Sparte hinzu: das Damenturnen.

Die SVM-Fußballer konnten während der jeweiligen Verbandsrunden keine allzu große Erfolge erzielen und fanden sich meistens nach Saisonende im hinteren Tabellendrittel wieder. Anders erging es der Tischtennisabteilung. Sie konnte einige beachtliche Erfolge erringen. Den größten Erfolg verzeichneten die Tischtennisspieler im Jahre 1969 mit dem Aufstieg von der Bezirksklasse in die Landesliga. Doch die Freude währte nicht lange. Bereits 1970 stieg die Mannschaft wieder in die Bezirksliga ab. Viele Jahre später durften die Mörtelsteiner Tischtennisfreunde weitere Erfolge feiern: 2005/06 wurde die 2. Mannschaft Sieger der Kreisklasse C und stieg in Kreisklasse B auf und ebenfalls 2005/06 wurde die 1. Mannschaft Sieger der Kreisklasse A und stieg in die Kreisliga auf. Leider war der Aufstieg nur von kurzer Dauer und so stiegen beide Mannschaften im darauf folgenden Jahr wieder ab.

36 Jahre nach der Vereinsgründung hatten auch die Fußballer, alle Vereinsmitglieder und das ganze Dorf endlich Grund zum Jubeln. Nach der Fußballsaison 1995/1996 belegten die SVM-Kicker unter dem Trainer Thomas Maurer den 2. Tabellenplatz, den sie sich hart erkämpft hatten, und stiegen so in die Kreisliga A des Fußballkreises Mosbach auf.

 

SV Mörtelstein, Aufsteiger 1995/96, der LKW wurde gestellt von Rudolf Reinmuth. Dieser fährt noch heute mit der Aufschrift "SVM" über den Strassen.

 

Jahrzehnte galten die Mörtelsteiner Fußballer als dankbarer Punktelieferant, und die Gegner waren fast immer zu übermächtig und teilweise sogar unschlagbar. Doch diese Zeiten waren nun endlich vorbei. In den nachfolgenden Spielrunden konnte sich die Mannschaft in der A-Liga behaupten und beachtliche Platzierungen erzielen. Doch im Jahre 2003 musste wieder der schwere Gang in die Kreisklasse B angetreten werden. Die Fußballmannschaft des SV Mörtelstein hat sich in dieser Klasse aber im oberen Tabellenteil gefestigt. Mal sehen, ob irgendwann wieder ein Aufstieg möglich ist?!

Da Mörtelstein durch seine Größe nie ein großes Jugendspielerpotenzial besaß, konnte keine konstante Jugendarbeit betrieben bzw. aufgebaut werden. Nur einmal in den 1960er Jahren gelang es dem SVM, eine eigene Jugendmannschaft für den Spielbetrieb zu stellen. Doch nach nur zwei Spielrunden war dann schon wieder mangels Spielern Schluss. Die Mörtelsteiner Jugendkicker spielten dann wie heute als Gastspieler in Nachbarvereinen. Trotzdem wurde die Jugend beim SVM nicht vernachlässigt. Es konnten immer wieder Trainer gewonnen werden, die sich mit allen Jahrgängen beschäftigten und somit eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung den Kindern und Jugendlichen boten.

Mitte der 1960er Jahre wurde die Sporthalle mit Bühne gebaut. Nun hatten die Tischtennisspieler endlich eine geeignete Spielstätte. Zuvor wurde teilweise sogar die Tischtennisplatte in einer „Baracke“ aufgebaut und dort Wettkämpfe ausgetragen. Auch für die Fußballer wurden nun die Voraussetzungen geschaffen, sich ordentlich umzuziehen und hinterher zu duschen.

 

Immer mal wieder wurde auch der Anlauf unternommen, ein Sportheim direkt am Sportplatz zu bauen. Den letzten Versuch unternahm Vorstand Rudolf Reinmuth im Jahre 1999. Doch in Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung Obrigheim und einigen Grundstückseigentümern konnte keine Einigung erzielt werden. So wird der "Mörtelsteiner Traum" eines eigenen Sportheims wahrscheinlich für längere Zeit, wenn nicht für immer, "ad acta" gelegt sein. Die Schwierigkeiten liegen im Genehmigungsverfahren, da die Lage außerhalb des Bebauungsplanes liegt. Die vorhandene Stromversorgung ist nicht ausreichend und die Erweiterung der Kapazität ist mit hohen Kosten verbunden. Genauso schwierig und teuer ist der Abwasseranschluss, der direkt an die Druckleitung zur Obrigheimer Kläranlage erfolgen müsste. Das ganze Projekt konnte vor allem wegen der Finanzierung und Wirtschaftlichkeit nicht verwirklicht werden.

Im Jahre 1991 wurde in Mörtelstein eine Damenfußballmannschaft gegründet. Die Damen, anfangs etwas belächelt, sind heute ein fester Bestandteil des SVM und bereichern außerordentlich das Vereinsleben. Im September 2004 wurde die Kreisliga Damenfußball im Fußballkreis Mosbach, die zuvor zwölf Jahre als Freizeitrunde existierte, zum ersten Mal offiziell angepfiffen. In den Spielrunden 2006/2007 und 2008/2009 sowie 2010/2011 konnten die SVM-Fußballerinnen sogar jeweils Meisterschaften feiern.

 

Nach dem Gründungsvorstand Emil Fay übernahm 1971 Hans Georg Baumann und 1973 Ingolf Briesen jeweils für zwei Jahre den Vorstandsposten. Danach folgte für vier Jahre Rudolf Reinmuth. Vom 13.1.1979 bis zum 25.1.1986 war Albert Pahl SVM-Vorstand. Gemeinsam mit Dieter Mann führte er die Fußballer durch schwierige Zeiten und tat viel für die Kameradschaft. Er führte den Verein mit seinem persönlichen Stil und kam mit der Rolle des "ewigen Letzten" sehr gut zurecht: Sein Motto war: "Entweder bist Du Erster oder Letzter, von denen dazwischen redet sowieso keiner!!" Er war es auch, der dem SVM mit dem Hammel "Knoppers" 1985 ein Maskottchen bzw. Glücksbringer besorgte und prompt wurde am Ende der Spielrunde 1985/86 ein akzeptabler 8. Tabellenplatz belegt. Maskottchen "Knoppers" hatte ein eigenes Trikot und war bei jedem Heimspiel mit von der Partie.

Von 1986 bis 1987 und von 1987 bis 1989 führten erst Rudolf Reinmuth und dann Gerd Reinmuth den Verein. Danach folgten für zwei Jahre Dieter Mann, ehe 1991 Dietmar Senk SVM-Vorstand wurde. Leider beendete 1997 sein plötzlicher Tod seine Tätigkeit, und so mussten die SVM-Mitglieder einen neuen Vorstand finden. Gerd Reinmuth erklärte sich bei der Mitgliederversammlung am 19. April 1997 bereit, den Vorstandsposten zu übernehmen. Zwei Jahre später, im Januar 1999, übernahmen Rudolf Reinmuth als 1. Vorsitzender und Jürgen Streib als 2. Vorsitzender die Vorstands-spitze.

Heute besteht das Vorstandsteam aus dem 1. Vorsitzenden Jürgen Streib und dem 2. Vorsitzenden Roger Hanke sowie dem 3.Vorstand Thomas Raber . Ihnen stehen als Schriftführer Gunnar Kuderer und Kassiererin Gerlinde Damboldt zur Seite.

Quellen/Literatur:

- mündliche Angaben von Ernst Ertl und Rudolf Reinmuth

- Festbroschüre "25 Jahre SV Mörtelstein" 1985

- Festbroschüre „40 Jahre SV Mörtelstein“ 2000

- diverse Ausgaben Stadionheft "SVM-Spaßmacher"